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Martin Moritz

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Suttner Journal Juli 2009

Erfolgreich in der Molekularen Biotechnologie:

Interview mit Christian Moritz

FöV: Herr Moritz, wann haben Sie bei uns Abitur gemacht?

CM: Das war im Jahr 2005, noch zu G9-Zeiten...

FöV: Und jetzt studieren Sie Molekulare Biotechnologie an der Universität Heidelberg. War es schwer, an dieser Eliteuniversität einen Studienplatz zu bekommen?

CM: Ich habe das komplette Bewerbungsverfahren durchlaufen. Dazu gehörten neben der schriftlichen Bewerbung auch zwei Auswahlgespräche mit einzelnen Professoren, in denen man diese von seiner Qualifikation überzeugen musste. Für die Zulassung zur Bewerbung war eine sehr gute Abiturnote notwendig, die aber dann allerdings nur zu einem Sechstel in die Gesamtwertung einging. Die restlichen Bewertungskriterien waren wie gesagt die beiden Gespräche sowie außerschulische Qualifikationen wie z. B. Wettbewerbserfolge, Praktika, die Qualität der Facharbeit ...

FöV: Was genau wird beim Studiengang Molekulare Biotechnologie eigentlich gelehrt?

CM: Das Grundstudium (2 Jahre) beinhaltet sämtliche Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Informatik). Mein anschließend gewählter Schwerpunkt war die Wirkstoffforschung mit den Nebenfächern Biophysikalische Chemie und Bioinformatik.

Praktische Arbeit im Labor:
Christian Moritz, Abitur-Jahrgang 2005,
studiert Molekulare Biotechnologie
an der Universität Heidelberg

FöV: Würden Sie sich heute wieder für diesen Studiengang entscheiden?

CM: In jedem Fall - das Studium ist äußerst anspruchsvoll und interessant.

FöV: Inwiefern?

CM: Ein Beispiel sind die internationalen Wettbewerbe. So habe ich im letzten Jahr zusammen in einem Team von insgesamt 14 Heidelberger Studenten und zwei Schülern am so genannten "iGEM" (international competition on genetically engineered machines) teilgenommen. Dieser wissenschatliche Wettbewerb wird jedes Jahr von MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Boston organisiert. Dort nehmen studentische Teams aus allen Ländern der Welt teil, um dann im Finale nach Boston zu reisen und dort ihre Ergebnisse zu präsentieren. Eine Jury aus hochkarätigen Wissenschaftlern vergibt in Boston dann Preise, wie z. B. "Bestes medizinisches Projekt" oder auch "Beste Präsentation". Der Wettbewerb gehört zu dem noch recht jungen Feld der synthetischen Biologie. Hierbei ging es darum, einzelne Gene wie Bausteine zusammenzusetzen, um maßgeschneiderte Erbinformationen für neue, künstliche Organismen zu bauen. Ziel des Wettbewerbs war es nun, eine "biologische Maschine" so zu designen, dass sie eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllt. Dies kann von anfänglichen Zielen (z. B. dass das Bakterium je nach Wachstumsphase nach verschiedenen Früchten riecht) bis dahin reichen, dass das Bakterium - wie in unserem Fall - gezielt Pathogene (= Krankheitserreger. Anm. d. Red.) oder auch Krebszellen aufspüren und diese dann vernichten kann.

FöV: Wie hat Ihr Team dieses Ziel erreicht?

CM: Zum Beweis unseres Systems programmierten wir ein Räuber-Beute-System aus zwei §. coli Stämmen. Der Killerstamm hatte dabei einen Sensor, um die Beute aufzuspüren und sich gezielt darauf zuzubewegen, und verschiedene "Waffensysteme", um die Beute zu töten. Diese "killing devices" bestanden in unserem Fall zum einen aus Bakteriophagen, die per Konjugation gezielt übertragen werden konnten und gegen die unser Killer immun war, und zum anderen aus einem bakteriellen Gift. Hierbei wurde ein Gift ausgewählt, das es uns auch ermöglicht, Krebszellen abzutäten, wie an einer Brustkrebszelllinie bewiesen wurde. Insgesamt diente unser System aus 2 Bakterienstämmen als eine Art "proof of principle", die ersten Experimente an Mäusen beginnen jedoch in den nächsten Monaten, um zu zeigen, dass unsere "Killerbakterien" auch in einem lebenden Organismus funktionieren und dort gezielt Tumore aufspüren und diese vernichten können. Wie es für die Synthetische Biologie üblich ist, wurden all unsere Versuche natürlich auch am Computer simuliert, um optimale Dosis-Wirkungs-Beziehungen zu erhalten.

FöV: Okay! Und - haben Sie gewonnen?

CM: Beim Finale in Boston erhielten wir für unser Projekt als einziges der 84 teilnehmenden Teams 3 Sonderpreise, und zwar für die beste Präsentation, das beste Poster und die beste Öffentlichkeitsarbeit. Zudem konnten wir eine von insgesamt 16 Goldmedaillen für besonders erfolgreiche Projekte gewinnen. Insgesamt also äußerst erfolgreich für eine erste Teilnahme.

Möglich war dies alles natürlich nur durch die Unterstützung der Universität Heidelberg und des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum).

FöV: Wir gratulieren Ihnen herzlich. Wie geht es jetzt weiter?

CM: Im letzten Jahr habe ich meinen Bachelor abgeschlossen und dabei meine Bachelorarbeit über "Die Rolle von Pin1 in der DNA-Schaden induzierten HIPK2 Aktivierung" am DKFZ geschrieben, woran ich auch gerade weiterarbeite. Seit März bin ich für drei Monate in Italien, um dort neue Methoden zu erlernen. Im September reise ich dann wieder nach Boston, dieses Mal an die Harvard Medical School, um dort ein mehrmonatiges Praktikum zu absolvieren. Und dann, um nächsten Jahr, fange ich mit meiner Masterarbeit an.

FöV: Das klingt alles sehr international... Fundierte Sprachkenntnisse sind sicher im Studium sehr wichtig?

CM: Gutes Englisch ist unverzichtbar. Schon zu Beginn des Studiums haben wir mit englischsprachigen Lehrbüchern gearbeitet; der Master-Studiengang wird bei uns sogar komplett auf Englisch abehalten, da es ein internationaler Abschluss ist.

FöV: Was können Sie rückblickend zu Ihrer Zeit am BvS sagen?

CM: Insgesamt hatte ich stets das Gefühl, dass ich für mein Studium hier am BvS das notwendige "Rüstzeug" mitbekommen habe - sowohl in fachlicher als auch in methodischer Hinsicht. Es hat sich übrigens - nicht nur bei mir - bemerkbar gemacht, dass die Qualität eines bayerischen Abiturs gerade zu Beginn des Studiums große Vorteile mit sich bringt.

FöV: Haben Sie noch irgendwelche Tipps für die zukünftigen Studenten an unserer Schule?

CM: Aus meiner Sicht wäre es zu schmalspurig, lediglich guten Noten hinterherzujagen. Wichtig ist, dass man weiß, in welche Richtung man sich beruflich entwickeln möchte, und hier ruhig schon in der Schulzeit Akzente nach seinen persönlichen Neigungen setzt z. B. je nach Fachrichtung durch ein Praktikum, ein Ehrenamt und - ganz wichtig - durch die Leidenschaft für sein Fach. Dies überzeugt so manchen Professor im Vorstellungsgespräch mehr als ein 1,0-Abitur.

FöV: Herr Moritz, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch.

Interview geführt von Heidi Debschütz und Karin Theimer

 
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