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Martin Grabher

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Suttner Journal Juni 2010:

Mit Laserdioden auf Erfolgskurs:

Interview mit Dr. Martin Grabherr

Als er vor 20 Jahren am BvS-Gymnasium sein Abitur machte, konnte er sich vermutlich noch nicht vorstellen, eines Tages in Sachen Laserdioden an der Weltspitze mitzumischen: Dr. Martin Grabherr, Mitbegründer und heute Geschäftsführer des jungen Unternehmens U-L-M Photonics, hat als Wissenschaftler und Manager eine beachtliche Karriere gemacht. Das Redaktionsteam des Fördervereins hat ihn im Ulmer Science Park besucht.


FöV: Herr Dr. Grabherr, mit welchen Leistungskursen haben Sie am BvS Ihr Abitur gemacht?

MG: Ich hatte die Leistungskurse Mathematik und Physik - bei Herrn Gomm und Herrn Schartl. Vor allem im Mathematik-LK hatten wir immer sehr viel Spaß. In meiner Facharbeit ging es um Lichtübertragung in Glasfasern - ein Thema aus der Elektrotechnik.

FöV: Mit dieser Kurs- und Themenwahl haben Sie ja bereits eindeutig Ihre fachlichen Schwerpunkte gelegt. Wie ging es dann nach dem Abitur weiter?

MG:Ich habe an der Universität Ulm Elektrotechnik studiert und promoviert. Dort hatte ich das große Glück, in der Gruppe um Prof. Ebeling, den heutigen Präsidenten der Universität, arbeiten zu dürfen: Er ist eine extrem gute Führungspersönlichkeit und hat in dieser Zeit das Institut für Optoelektronik aufgebaut, das heute eine weltweite Spitzenposition einnimmt. 1987 hat er für dieses Thema den Leibniz-Preis bekommen. Vier junge Doktoranden aus seiner Gruppe, darunter ich, haben sich schließlich zusammengefunden und dann im Jahr 2000 eine eigene Firma gegründet.

Dr.Martin Grabherr
ist Geschäftsführer
des jungen Unternehmens
U-L-M Photonics

FöV: Vier junge promovierte Wissenschaftler ganz alleine?

MG: Nein, dazu ist dieses Technologiefeld einfach zu kapitalintensiv. Es war damals ein Joint Venture mit der Firma Schott.

FöV: War das Ihr Traum von Anfang an, eine eigene Firma zu gründen?

MG: Ich hatte ehrlich gesagt nichts dergleichen geplant und dachte zu Beginn meines Studiums, dass ich einmal als ganz normaler Angestellter arbeiten würde. Aber die Arbeit mit Professor Ebeling war so erfolgreich uns inspirierend, dass die Möglichkeit, die erzielten Forschungsergebnisse industriell in einer Firma umzusetzen, für mich die ideale Zukunftsoption war.

FöV: Wie ging es mit Ihrer Firma weiter?

MG: Im Zuge der Veränderungen, die das Platzen der sogenannten Dotcom-Blase bewirkte, haben wir flexibel reagiert und uns mehr auf die industrielle Sensorik konzentriert, womit wir uns aber fachlich von unserem Joint-Venture-Partner Schott immer mehr entfernten. Im Jahr 2005 haben wir uns von Schott getrennt, seit 2006 sind wir als 100%ige Tochterfirma bei Philips angegliedert. 2005 wurde ich hier Geschäftsführer, im Jahr 2008 haben wir unsere neue Fabrik in Betrieb genommen.

FöV: Was genau stellt Ihre Firma her?

MG: Allgemein stellen wir besondere Laserquellen her. Miniaturlaser sind seit langem bekannt, z. B. in Laserpointern oder CD-/DVD-Spielern. Unsere Vertikallaserdioden werden hauptsächlich in der Glasfaserdatenübertragung und in der Sensorik eingesetzt. Unsere bekanntesten Laserquellen befinden sich in den Lasermäusen mit nicht sichtbarem Licht. Wir beschäftigen insgesamt 40 Mitarbeiter und bilden seit etwa 1 1/2 Jahren auch aus - zum Mikrotechnologen.

Kein Goldschmuck,
sondern Laserdioden
von ULM-Photonics

FöV: Ihr Unternehmensstandort war von Anfang an Ulm, auch Ihre neue Fabrik steht hier oben im Science Park.

MG: Ulm ist für uns ein idealer Standort - zum einen haben wir gleich in der Nachbarschaft die Universität, mit der wir nach wie vor sehr intensiv zusammenarbeiten. Zum anderen erfahren wir hier aber auch ein hohes Maß an Unterstützung: die Stadt Ulm zeigt unserem Unternehmen gegenüber größtes Entgegenkommen.

FöV: Wie sehen - aus Ihrer heutigen Perspektive - die Erinnerungen an Ihre Gymnasialzeit am BvS aus?

MG: Wir waren ein sehr voller Jahrgang mit etwa 40 Schülern pro Klasse, auch befand der 4. Bauabschnitt sich damals erst im Bau. Von daher habe ich an die Anfangszeit keine so schönen Erinnerungen. Die Randbedingungen haben sich aber dann sehr schnell gebessert. Aber der 7. Klasse habe ich die Handball-AG besucht - dies war in der Ära, als Herr Albsteiger eine überaus erfolgreiche Schulmannschaft aufgebaut hat und überhaupt am Gymnasium sportlich ein sehr hohes Leistungsniveau herrschte: Die Handballgruppe "Jugend trainiert für Olympia" kam bis ins bayerische Finale, auch im Fußball, Volleyball und Basketball nahm das BvS an "Jugend trainiert für Olympia" teil. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir oft in der 7. Stunde zusammen zum Volleyballspielen hinausgegangen sind - sobald wir Schüler mit dem Ball in der Hand am Lehrerzimmer vorbeikamen, waren Herr Albsteiger, Frau Zapf, Herr Ritter und Herr Günther auch dabei - eine schöne Zeit, sowohl sportlich als auch in punkte Gemeinschaftsgefühl. Bis 1994, also vier Jahre nach meinem Abitur, war ich noch in der Sportgruppe von Herrn Albsteiger und Frau Zapf, in der immer zusammen trainiert wurde, wir haben auch gemeinsame Sportwochenenden in Inzell verbraucht.

FöV: Engagieren Sie sich auch heute noch im Sport?

MG: Ich bin Leiter der Leichtathletikabteilung im TSV Pfuhl und trainiere dort die 16- bis 20-Jährigen. Sportlicher und beruflicher Erfolg hängen für mich eng zusammen.

FöV: Wie schätzen Sie rückblickend Ihre Ausbildung am BvS ein?

MG: Die Vorbereitung auf das Studium war ausgezeichnet. Dies lag zum einen daran, dass ich gute Lehrer hatte, zum anderen vermutlich auch am bayerischen Schulsystem. So haben wir z. B. im Mathematik-Leistungskurs die komplexen Zahlen durchgenommen, deren Beherrschung für das Elektrotechnik-Studium eine unabdingbare Voraussetzung ist. Außer den bayerischen Abiturienten kannte diese unter den Studienanfängern in meinem Semester aber niemand.

FöV: Welchen Rat würden Sie den heutigen Schülern am BvS geben?

MG: Ich persönlich habe es bereut, dass ich die Zeit am Gymnasium nicht effizient genug genutzt habe - so habe ich z. B. die Fremdsprachen vernachlässigt. Da die Fachliteratur aber zum Großteil in englischer Sprache verfasst ist und meine Kunden zu 95 % nicht deutschsprachig sind, musste ich im Nachhinein viel Aufwand in meine Sprachkenntnisse stecken. Ich verstehe nach wie vor, dass man lieber die Kurse belegt, auf die man die meiste Lust hat, und dass man seine Fächerbelegung nach Noten optimieren will. Aber die Devise "Super, das kann ich abwählen!" ist aus meiner heutigen Sicht oftmals zu kurz gedacht.

FöV: Sie empfehlen also eine stärkere "strategische Ausrichtung" auf die Studien- und Berufswelt nach dem Abitur?

MG: Ich bin überzeugt, dass eine stärkere Ausrichtung der Schule insgesamt auf die Berufswelt - z. B. in Form von Kontakten, Informationsaustausch, Projekten, Hospitanzen o.Ä. für alle Beteiligten eine große Bereicherung wäre.

FöV: Herr Dr. Grabherr, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihrer Firma noch viel Erfolg!

Interview: Heidi Debschütz, Karin Theimer und Albrecht Grosch
Fotos: Karin Theimer, U-L-M Photonics

 
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