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Dr. Thomas Behr

Aktivitäten

Ehemalige Schüler des BvS berichten:
Interview mit Dr. Thomas Behr

Mit Science-Fiction-Lektüre zum Leiter der Tribologie

Dr. Thomas Behr hat vor nunmehr 24 Jahren (1989) am Bertha-von-Suttner- Gymnasium als Jahrgangsbester sein Abitur gemacht. Dies hat er nicht nur seiner zielstrebigen Vorgehensweise zu verdanken, sondern vielleicht auch ein wenig seinem Interesse an Science-Fiction.

Begeistert berichtet Dr. Behr von der Arbeitswelt Forschung und
Entwicklung am Daimler-Forschungs- und Entwicklungsstandort in Ulm

föv: Hat sich dies auch auf Ihre schulischen Leistungen ausgewirkt?

TB: Ich denke schon – immerhin habe ich das Abitur als Jahrgangsbester bestanden – dabei gehörte ich wahrlich nicht zu den „Strebern“ – im Gegenteil. Wir feierten legendäre Partys und Feten, waren am nächsten Morgen aber immer (mehr oder weniger) fit und pünktlich beim Unterricht.

föv: Das hört sich für mich nach einem glatten „Durchmarsch“ von Klasse eins bis dreizehn an.

TB: Nicht ganz. In der Grundschule erhielt ich von meinem Klassenlehrern die Empfehlung, die Hauptschule und später die Realschule zu besuchen. Zum Glück hat die Hauptschullehrerin jedoch schnell erkannt, dass mehr in mir steckt – ich war damit eher ein Spätzünder. Am Gymnasium musste ich dann zwar noch einmal die fünfte Klasse besuchen, aber von da an lief es mehr als rund. Ich war in allen Fächern gut unterwegs – insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften.

föv: Diese waren dann auch die Schwerpunkte im Abitur?

TB: Ja, ich hatte LK Physik bei Herrn Rath und Chemie bei Herrn Erhardt.

föv: Hatten Sie damals schon eine Vorstellung über Ihr Studien- und Berufsziel? Und wie sind Sie es angegangen?

TB: Ich konnte leider nicht gleich mit dem Studium beginnen, da ich zuerst noch meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr absolvieren musste. Dieser war 1989 (meinem Abiturjahrgang) noch für alle jungen Männer Pflicht und wurde erst Ende 2010 ausgesetzt. Die Zeit beim Bund nutzte ich, um eine zweijährige Ausbildung zum Reserveoffizier zu machen. So hatte ich die Möglichkeit, mir einen finanziellen Puffer für das anstehende Studium zu schaffen und erste Führungserfahrungen als junger Mann zu sammeln. Außerdem konnte ich mich auf mein Studium vorbereiten, indem ich sowohl den Mathematik-Vorbereitungskurs als auch einen Schweißerkurs, welcher als Praktikum anerkannt wurde, absolvierte. Und ich bekam die Gelegenheit, nebenbei noch den Tauschschein zu machen. Ich wollte auf jeden Fall einen technischen Studiengang belegen. Daher habe ich mich für Physik, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieur sowie Luft- und Raumfahrttechnik beworben. Nachdem ich überall Zusagen erhalten hatte, entschied ich mich für das Studium an der Uni Stuttgart am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik. Hier hatte ich das Gefühl, dass die Inhalte dieses Studienganges am ehesten zu meiner Begeisterung für neue Entwicklungen, wie sie in Science Fiction-Romanen beschrieben werden, passten.

Dr. Thomas Behr –
durch Zielstrebigkeit zum Erfolg.

föv: Sie haben also während der Schulzeit Ihre Nase nicht nur in Schulbücher gesteckt?

TB: Natürlich nicht! Für das Schmökern in Science-Fiction-Lektüre und diverse Freizeitaktivitäten im Freundeskreis fand ich immer Zeit – auch sportlich war ich sehr aktiv (Handball/Taekwondo). Und um mein Studium zu finanzieren, habe ich - außer in diversen Jobs während der Semesterferien - u.a. als Barkeeper in einer Cocktailbar gearbeitet.

föv: Wie ging es nach dem Studium weiter?

TB: Schon während des Studiums, welches 12 Semester dauerte, konnte ich verschiedene Praktika bei Daimler absolvieren. Und für meine Diplomarbeit über keramische Bremsscheiben habe ich mich bei Daimler im Forschungszentrum Ulm beworben und einen Ausbildungsvertrag für 6 Monate – wie es damals üblich war – erhalten. Durch diese Befristung kam ich zwar meinem Ziel, die Karriereleiter im Unternehmen Daimler zu erklimmen, nicht wirklich näher, aber ein Anfang war gemacht. Immerhin erhielt ich während dieser Zeit das Angebot meines Chefs, meine Industriepromotion zu schreiben, was mir die Anstellung für weitere 3 Jahre als Doktorand im Unternehmen sicherte. Erst danach wurde daraus ein unbefristeter Arbeitsvertrag.

föv: Über welches Thema haben Sie promoviert?

TB: Ich habe im Bereich Werkstoffwissenschaften an der Universität Erlangen- Nürnberg promoviert und mich hier im Speziellen mit den Reaktionsmechanismen im System Kohlenstoff/Silizium bei keramischen Bremsscheiben befasst.

föv: Ein spannendes Thema, welches aber sicher Ihre gesamte Zeit und Energie beanspruchte?

TB: Keinesfalls. Da ich feststellte, dass betriebswirtschaftliche Kenntnisse auch für Ingenieure und Wissenschaftler keineswegs verkehrt sind, habe ich während meiner Promotionszeit als Fernstudent ein BWL-Studium, das über die Hochschule Würzburg angeboten wurde, absolviert.

föv: Jetzt konnten Sie also mit Ihrer Karriere voll durchstarten?

TB: Tatsächlich ging es nun ganz in meinem Sinne weiter: Zunächst war ich Direktionsassistent beim Daimler-Forschungschef in Untertürkheim; eine sehr anspruchsvolle aber auch lehrreiche Erfahrung. Anschließend befasste ich mich als Abteilungsleiter im Werk Sindelfingen mit Technologiemonitoring und Forschungspolitik; dies bedeutet, dass wir uns weltweit umschauen, welche neuen Technologien sich entwickeln und was für Daimler hier interessant sein könnte. Seit 2010 bin ich nun Leiter der Tribologie in Konzernforschung und Vorentwicklung am Standort Ulm. Wir arbeiten in einem großen Team mit einem hohen Anteil an Studenten, welche bei uns ihre Abschlussarbeiten absolvieren und dadurch auch erste Erfahrungen im industriellen Umfeld sammeln. Unsere Themen hier sind die Bewegungssysteme im Antriebsstrang im Zusammenhang mit Reibung, Verschleiß und Schmierung. Mit den Ergebnissen unserer Arbeit liefern wir einen wichtigen Beitrag zur Verbrauchs- bzw. Co2-Reduzierung.

föv: Sie haben also Ihr Ziel, die Karriereleiter zu erklimmen, erreicht, und das in einem äußerst spannenden Bereich. Was können Sie unseren Schülerinnen und Schülern raten, um ihr späteres Berufsleben ebenso erfolgreich zu gestalten?

TB: Ich finde es sehr wichtig, die gesetzten Ziele zügig anzugehen, d. h. direkt nach dem Abitur mit dem Studium zu beginnen, anstatt Zeit zu vertrödeln. Zielstrebigkeit macht sich in einer Personalakte einfach besser. Außerdem ist es später wichtig, an sämtlichen angebotenen Trainee-Programmen teilzunehmen und z. B. bei Interesse an Führungsverantworung die Assistenzstellen bei Vorständen oder Entwicklungsleitern zu ergattern – da lernt man doch schon einiges, wie so eine Firma oder ein Betrieb funktioniert und geführt wird.. Ganz besonders möchte ich noch darauf hinweisen, dass Mädchen in den technischen Berufen immense Chancen haben, auch und insbesondere in Führungspositionen.

föv: Herr Dr. Behr, wir danken Ihnen herzlich für die interessanten Einblicke in Ihr Berufsleben und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Interview geführt von Karin Theimer und Albrecht Grosch
Fotos: Karin Theimer


 
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