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BWL und „Science Po“: Interview mit Dr. Carolin Ernst

Interview mit Dr. Carolin Ernst

Sie besitzt zwei Diplome, ein deutsches und ein französisches, und seit Mai auch einen Doktortitel: Nach ihrem Abitur im Jahr 2003 studierte Dr. Carolin Ernst im Rahmen eines Doppelstudienganges Internationale BWL in Nürnberg sowie Politik und Soziologie am berühmten IEP in Straßburg; promoviert hat sie in internationaler Steuerlehre. Heute arbeitet die ehemalige BvS-Schülerin bei einem renommierten deutschen ITDienstleistungsunternehmen. Wir haben nachgefragt, was zu so einem erfolgreichen Werdegang alles gehört ...

föv: Frau Ernst, der Name Ernst ist an dieser Schule ja allen ein Begriff, und er war es wohl auch, als Sie als Fünftklässlerin hier ankamen – was für ein Gefühl war es für Sie, dass beide Eltern Lehrer an der eigenen Schule waren, noch dazu fachlich so komplementär?

CE: Ich muss sagen, dass ich mich zwar noch ziemlich genau an meinen Start im BvS erinnern kann, aber die Tatsache, dass meine beiden Eltern hier Lehrer sind, hat für mich damals erst mal keine Rolle gespielt. In meinem Jahrgang war ich auch nicht das einzige Lehrerkind, ich war also nur bedingt ein Exot. Meine Eltern haben im Laufe der Zeit immer wieder Freunde und Freundinnen von mir unterrichtet – das war für mich aber zum Glück nie ein Problem. Natürlich hatte ich den Vorteil, dass zu Hause immer jemand war, den ich fragen konnte – das war sicher eine große Erleichterung. Aber gerade deshalb habe ich mich immer besonders angestrengt, um mir und den anderen zu zeigen, dass ich auch selber etwas kann.

föv: Sie haben sich ja am BvS enorm engagiert – für die Energie-AG und das Solarprojekt …

CE: Am Anfang war das noch gar nicht so, das hat erst in der 10. Klasse angefangen. Damals hat mich das Projekt von Margit Fluch (Anmerkung der Redaktion: Frau Fluch war OstRin für Mathe und Physik am BvS bis 2005) neugierig gemacht, weil es da um echte Probleme und echte Lösungen ging. Durch die Projektarbeit – zuerst im Rahmen des Solarprojekts mit dem Bau des Solarhauses und anschließend mit der Energie-AG – habe ich natürlich als Nebeneffekt etwas für die Schule gemacht, aber in erster Linie lag meine Motivation eher in den Projektzielen selbst, nämlich Solarenergie in der Schule erlebbar zu machen und Energieverschwendung dort zu bekämpfen, wo es wirklich was bringt. Dass ich die Projektarbeit nicht unbedingt schulbezogen wahrgenommen habe, zeigt auch die Tatsache, dass ein harter Kern der damaligen Energie-AG auch heute noch mit Margit Fluch im Rahmen mehrerer sukzessiver Projekte an der damals entwickelten Idee forscht. Mittlerweile ist es kein Schülerprojekt mehr, sondern ein hochkarätig besetztes, unter anderem vom Bundeswirtschaftsministerium gefördertes Forschungsprojekt, das die von uns angestoßene Idee zu einer geänderten Vergabepraxis bei Heizungssanierungen in Schulen zunächst konzeptionell ausgearbeitet hat und nun die Pilotierung dieses Verfahrens am Gymnasium Marktoberdorf begleitet.

föv: Auch heute engagieren Sie sich noch für Ihre ehemalige Schule – Sie sind z.B. im Förderverein als Schatzmeisterin tätig und kümmern sich in dieser Position u.a. um sämtliche finanziellen Aufgaben im Zusammenhang mit der OGTB. Sie fühlen sich also mit Ihrer ehemaligen Schule nach wie vor stark verbunden?

CE: Auf jeden Fall, auch wenn die Distanz zur Schule von Jahr zu Jahr zunimmt. In zehn Jahren hat sich die Schule stark verändert, viele Anknüpfungspunkte sind weggefallen und mit jedem ehemaligen Lehrer, der in den Ruhestand geht, ist es einer mehr. Wenn ich heute – beispielsweise anlässlich eines ABITs – ins Lehrerzimmer komme, kenne ich sehr viele Gesichter nicht …Trotzdem habe ich immerhin neun wichtige Jahre meines Lebens am BvS verbracht und deswegen versuche ich zumindest über das Engagement im Förderverein, meine Verbundenheit zu pflegen.

föv: Sie sind mittlerweile Diplom-Kauffrau und arbeiten bei der DATEV eG in Nürnberg – wie sah ihr Werdegang nach dem Abitur zunächst aus?

CE: Ich studierte zunächst Internationale BWL in Nürnberg. Nach einem Studienaufenthalt in Straßburg habe ich Anfang 2008 meinen Abschluss in Nürnberg gemacht und im Anschluss vier Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Steuerlehre gearbeitet. Nebenbei promovierte ich im Bereich der internationalen Konzernbesteuerung. Seit 2012 bin ich als Assistentin der Bereichsleitung „Entwicklung Kanzleimanagement“ bei der DATEV.

Wir gratulieren: Carolin Ernst hat vor Kurzem promoviert

föv: Sehen Sie Vorteile darin, dass Sie noch einen Diplom-Studiengang absolviert haben?

CE: Schwierige Frage – zunächst muss ich sagen, dass ich sehr zufrieden mit meinem Studium war, sowohl was die Inhalte als auch was das „Drumherum“ angeht. Da ich an der Einführung des Bachelors und der Konzeption eines Masterstudiengangs am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg beteiligt und vier Jahre als Studienberaterin tätig war, habe ich in beide Systeme Einblicke erhalten. Und mein Fazit ist gemischt: Einerseits bin ich froh, Diplomerin zu sein, denn der Studienstart bis hin zum Vordiplom war weicher und der Druck geringer – und andererseits hätte ich gerne ein Masterstudium gemacht, denn statt monströser Blockprüfungen sind die Lehr- und Prüfungsformen jetzt modularer und abwechslungsreicher als früher und erlauben auch eine deutlichere Fokussierung auf Spezialgebiete.

föv: Das Institut d’Etudes Politiques (IEP) in Straßburg, an dem Sie ja auch studiert haben, gehört zu den traditionsreichsten und renommiertesten Instituten der Bereiche Recht, Wirtschaft, Politikwissenschaft und Verwaltung in Frankreich – war es schwer, dort einen Studienplatz zu bekommen? Und welche Voraussetzungen mussten Sie dafür erfüllen?

CE: Da hatte ich großes Glück. Schon in der 10. Klasse, als ich ein paar Monate an unserer Partnerschule in Quintin war, hat mich der Mythos um das IEP und Sciences Po fasziniert. Auf regulärem Wege, das heißt mit den entsprechenden Aufnahmetests, den so genannten Concours, hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft. Die Uni in Nürnberg hat aber sehr gute Beziehungen zu vielen ausländischen Unis … darunter auch das IEP in Straßburg. Daher habe ich mein Studium in Nürnberg von vorherein darauf ausgelegt, im Rahmen des bestehenden Doppeldiplomstudiengangs Science Po zu machen. Die Auswahlverfahren waren damit wesentlich leichter als die Concours mit allen französischen Bewerbern. Vor Ort hat mir das allerdings dann nur bedingt geholfen … Natürlich gab es einen „Ausländer- Bonus“, insbesondere bei den sehr anspruchsvollen Prüfungsformen, den so genannten „dissertations“, in denen nach einem strengen methodischen Aufbau in 4- bis 5-stündigen Prüfungen jeweils eine abstrakt formulierte These zu diskutieren war. Aber es war trotzdem ein schwieriges Jahr, das nicht viel mit einem typischen Erasmus-Jahr zu tun hatte … Der Vorteil eines französischen Diploms war mit dem Nachteil verbunden, dass jede Note auch für mein deutsches Diplom gezählt hat …

föv: Die dafür erforderlichen Französischkenntnisse haben Sie vermutlich ohnehin zu Hause schon rein „atmosphärisch“ mitbekommen. Haben Sie sich aber auch insgesamt an Ihrer Schule gut auf das Studium in Deutschland und Frankreich und überhaupt auf das Leben nach dem Abitur vorbereitet gefühlt?

CE: Leider habe ich den Subjonctif passé nicht „atmosphärisch“ gelernt, sondern so, wie alle anderen Schüler auch … Aber es stimmt natürlich, dass meine Motivation, Französisch zu lernen, von Anfang an groß war. Dank Französisch als erste Fremdsprache, Austausch und Französisch-Leistungskurs war ich sprachlich sehr gut vorbereitet. Insgesamt habe ich rückblickend auf jeden Fall in meiner Schulzeit die notwendigen Kompetenzen aufbauen können, um danach sehr flexibel zu sein und mich schnell in verschiedene Fachgebiete einzuarbeiten – neben dem Thema Heizungssanierungen im Projekt mit Margit Fluch habe ich nach Mathe- und Französisch-Leistungskurs BWL studiert, dann in Frankreich Politik und Soziologie, um schließlich in internationaler Steuerlehre zu promovieren und jetzt in einem führenden deutschen IT-Dienstleistungsunternehmen Software zu entwickeln … Ob ich diese Kompetenzen in der Schule oder während der Schulzeit aufgebaut habe – diese Frage kann ich natürlich nicht beantworten …Aber gut vorbereitet war ich auf jeden Fall!

föv: Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus – bleibt es so international?

CE: Nein, vorerst nicht. Mein Mann, den ich übrigens in der Energie-AG am BvS kenngelernt habe, und ich haben unsere Heimat in Franken gefunden und fühlen uns im Moment hier sehr wohl. Mit der DATEV habe ich zudem einen Arbeitgeber, der fast ausschließlich auf den deutschen Markt ausgerichtet ist …Aber wer weiß, was noch kommt …

föv: Frau Ernst, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch!

Interview geführt von Heidi Debschütz und Karin Theimer
Foto: Carolin Ernst

 
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